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Expertengruppe stellt Richtungspapier für Reform des Gesundheitssystems vor

medstra-News 72/2020


Die Stärken und Schwächen des deutschen Gesundheitssystems wurden durch die SARS-CoV-2-Pandemie offenbart. Neben der Ausstellung positiver Zeugnisse besonders über die ambulante Versorgung von COVID-19 Patienten, wurde erkenntlich, dass der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) unzureichend ausgestattet sowie koordiniert ist und die Digitalisierung des Gesundheitswesens zu langsam von Statten geht.


Diesen Reformbedarf in den Blick nehmend, stellte am 24.11.20 ein Expertenteam aus der Robert-Bosch-Stiftung, der Bertelsmann Stiftung, der Barmer, dem Zentralinstitut für Kassenärztliche Versorgung sowie dem Barmer Institut für Gesundheitssystemforschung (bifg) ein „Richtungspapier“ vor. Damit wolle man die Zukunftsthemen des Gesundheitswesens in den Blickpunkt der Öffentlichkeit stellen, so der Barmer-Vorstandsvorsitzende Christoph Straub, und Lehren der ersten Pandemiephase in Reformüberlegungen für das Gesundheitswesen einarbeiten.


Zentraler Punkt der Ausarbeitung ist die Stärkung des ÖGD. Die Pandemie habe gezeigt, dass es einer besseren Verknüpfung zwischen Wissenschaft und Primärversorgung mit dem ÖGD bedarf, um einen klaren Fokus auf die präventive Gesundheitsversorgung zu setzen.


Zudem wird bemängelt, dass es dem ÖGD an zentralen Strukturen und Koordination fehle, um eine vernünftige Aufgabenverteilung zwischen den Gesundheitsämtern zu erzielen. Auch müsse es eine bessere Vernetzung des ÖGD mit ambulanten sowie stationären Strukturen geben. Laut Barmer-Chef Straub, habe sich im Zuge der Pandemie gezeigt, dass für den Behandlungserfolg nicht die Wohnortnähe, sondern die Ausstattung mit Personal und Geräten bei der Versorgung der Covid-19 Patienten ausschlaggebend war. So fordern die Autoren eine „sektorenübergreifende, bedarfsleistungs- und qualitätsorientierte Versorgungsstrukturplanung“. Diese soll die Zuständigkeit für bestimmte Leistungsbereiche, eine intensivere Zusammenarbeit von Krankenhäusern in regionalen Netzwerken sowie die stärkere Konzentration von hochspezialisierten medizinischen Leistungen an wenigen Standorten koordinieren und vorantreiben.


Weitere Reformvorschläge haben die verbesserte personelle, technische und finanzielle Ausstattung des ÖGD und der Gesundheitsämter zum Ziel. Kernpunkte seien dabei vor allem die höhere Besetzung der Gesundheitsämter mit Amtsärzten, eine Besserung der Bezahlung des Personals sowie die Vermittlung der Bedeutung des ÖGD im Medizinstudium. Gerade innerhalb der Pandemie habe sich die Bedeutung der Gesundheitsämter während der Kontaktnachverfolgung herausgestellt.


Hinsichtlich der nur langsam voranschreitenden Digitalisierung des Gesundheitswesens wird der Aufbau von umfassend deutschlandweit agierenden Datenbanken und Registern gefordert, auch die elektronische Patientenakte soll schnell zum Einsatz kommen.


 

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