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Kann einem Kleinkind ein Cochlea-Implantat gegen den Willen seiner Eltern implantiert werden?


Cochlea-Implantate sollen gehörlosen und hörbehinderten Menschen die Möglichkeit geben, zu hören und leichter sprechen zu lernen, indem sie die Funktion des gestörten Innenohrs übernehmen.


Ein solches Implantat wollte der HNO-Chefarzt des städtischen Klinikums Braunschweig einem gehörlosen, eineinhalbjährigen Jungen einsetzen. Die ebenfalls gehörlosen Eltern verweigerten jedoch ihre Zustimmung, weshalb der Arzt den Fall an das Jugendamt übergab, welches ihn an das Familiengericht weiterleitete. Die zuständige Richterin muss nun eine Entscheidung für oder gegen das Cochlea-Implantat treffen, wobei an allererster Stelle die Belange des Kindeswohls berücksichtigt werden müssen. Es stellt sich daher die schwer zu beantwortende Frage, ob es dem Kind mit oder ohne Implantat bessergehen wird.


Die Eltern wenden gegen die Operation ein, dass man das Hören mit einem Cochlea-Implantat nicht mit dem eines Normalhörenden vergleichen kann. Selbst wenn man durch umfangreiches und regelmäßiges Training Verbesserungen erreichen kann, verbleiben gewisse Defizite, die oft im Bereich der Schwerhörigkeit liegen.


Zudem können sie ihrem Sohn das Sprechen selbst nicht beibringen, da sie und auch die Geschwister des Jungen gehörlos oder schwer hörgeschädigt sind. Das in jedem Fall erforderliche Training des Hörens und Sprechens müsste daher zwingend außerhalb der Familie stattfinden. Darüber hinaus führen sie die allgemeinen Operationsrisiken an, die mit jeder Operation einhergehen.


Den Ausführungen der Eltern schließt sich der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V. in einer Stellungnahme an. Auch Ines Helke, Inklusionsbotschafterin der Interessenvertretung „Selbstbestimmt Leben in Deutschland“, weist darauf hin, dass man die psychischen Folgen der Implantation keines Falls außer Betracht lassen dürfte. Vielen Hörenden sei nicht bewusst, dass ein Cochlea-Implantat zu einem Identitätsproblem des Trägers führen kann, wenn er sich weder zu den Hörenden, noch zu den Gehörlosen zugehörig fühlt.


Gegen die Auffassung der Eltern wird der Einwand vorgebracht, dass man dem Kind durch die Implantation die Möglichkeit geben würde, zumindest die Chance zu erhalten, besser hören und sprechen zu lernen. Dass dafür regelmäßiges Training außerhalb der Familie nötig ist, könne kein Hinderungsgrund sein. Dem Jungen würde sich so die Möglichkeit eröffnen, zweisprachig aufzuwachsen. Dabei gelte jedoch, dass der Eingriff so zeitnah wie möglich vorgenommen werden sollte, da die Chancen gut hören und sprechen zu lernen, umso größer sind, je eher das Implantat eingesetzt wird.


Stellungnahme Deutscher Gehörlosen-Bund e.V.
www.taubenschlag.de/wp-content/uploads/2017/11/dgb_Stellungnahme_2017_2.pdf




 

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