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Lieferengpässe bei Medikamenten – neue Erkenntnisse und Bedeutung von Rabattverträgen

medstra-News 12/2020


Das Institut der Gesundheit Österreich hat am 10. Februar 2020 im Auftrag des GKV-Spitzenverbands neue Erkenntnisse zu Arzneimittellieferengpässen in einem Gutachten veröffentlicht. Das Institut hatte Engpässe in verschiedenen EU-Ländern untersucht.
Danach gibt es weltweit immer mehr Lieferengpässe bei Arzneimitteln. Die Form des Sozialversicherungssystems der verschiedenen Länder spielt dabei keine Rolle.
Nur ein geringer Teil der Lieferengpässe führe indes zu Versorgungsengpässen. Nach finnischen Daten soll nur ein Prozent der Versorgungsengpässe auf Lieferengpässe zurückzuführen sein.

Der Hauptgrund für Lieferengpässe sei auf Probleme mit der Produktion und auf Qualitätsmängel zurückzuführen. Diese wirkten sich oft weltweit aus. Insbesondere besteht nach den Auswertungen kein Zusammenhang zwischen Lieferengpässen und Rabattverträgen. Dies hatten Pharmaunternehmen zuvor vermutet. Im Gegenteil sehen die Experten des Instituts Rabattverträge für Generika sogar als Chance, um Lieferengpässen entgegenzuwirken. Diese Verträge verpflichteten Arzneimittelhersteller, die Lieferfähigkeit ihrer Produkte zu garantieren. Andernfalls drohten Sanktionen.

Zudem empfahlen die Experten verpflichtende Melderegister zum besseren Management von Lieferengpässen. So könnten Behörden, Ärzte und Apotheker angemessen auf Engpässe reagieren. Diese Meldungen sind in Deutschland derzeit noch nicht verpflichtend.

Am 13. Februar 2020 beriet der Deutsche Bundestag abschließend über den Gesetzentwurf für einen fairen Kassenwettbewerb. Er sieht Regelungen vor, die Lieferengpässe vermeiden sollen. Danach sollen Rabattverträge mit Generika mit nur einem einzelnen Arzneimittelhersteller verboten werden. Dies ist eine Forderung, die Pharmaunternehmen, Ärzte und Apotheker schon länger an den Gesetzgeber richten. Krankenkassen sehen dadurch indes Kosteneinsparungen gefährdet, die mit Rabattverträgen erzielt werden. Diese belaufen sich derzeit auf vier Millionen Euro.

Zudem wird darüber diskutiert, ob die Wirkstoffproduktion aus China oder Indien wieder nach Europa zurückgesiedelt werden soll. Dafür ist nach Aussage des Arzneimittelexperten der CDU, Michael Hennrich, ein gemeinsames Vorgehen auf EU-Ebene nötig. Das Thema soll deshalb während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft ab Mitte des Jahres auf der Tagesordnung stehen.


 

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