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Mit Corona infizierte Gesundheitsfachkräfte sollen im Notfall weiterarbeiten

medstra-News 65/2020


Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat angekündigt, dass es im Notfall erforderlich sein kann, dass positiv auf das neuartige Coronavirus getestete Gesundheitsfachkräfte weiterarbeiten müssen.

„Wenn [...] wegen Isolation und Quarantänemaßnahmen so viele [Pflegekräfte] dann gar nicht mehr da sind, im Krankenhaus, in der Arztpraxis, in der Pflegeeinrichtung, dass die Versorgung zusammenbricht, muss man schauen, was ist neben der bestmöglichen [die zweitbeste] Lösung“, fragte der Bundesgesundheitsminister. Es könne dann notwendig sein, Kontaktpersonen von Infizierten mit täglichen Tests und FFP2-Maske weiterarbeiten zu lassen. Als „Rückfallrückfallposition“ müssten auch die positiv Getesteten mit ganz besonderen Schutzvorkehrungen weiterarbeiten. Dabei solle es aber um absolute Ausnahmesituationen gehen, wenn ansonsten die Versorgung nicht mehr sichergestellt werden könne. Es sei keine Aufforderung an erkrankte Pflegekräfte, arbeiten zu gehen, sagte Jens Spahn.  

Der Vorschlag Spahns wird vom Vorsitzenden des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, unterstützt: „Wenn es gar nicht anders geht, ist es immer noch besser, dass ein symptomfrei an COVID-19 erkrankter Arzt sich um einen Patienten kümmert, als dass sich niemand um ihn kümmert.“ Er bezeichnete dies allerdings auch als einen bedauerlichen Zustand; zudem solle sich das infizierte medizinische Personal dann ausschließlich um infizierte Patienten kümmern. Auch der Bundesvorsitzende des Verbands der niedergelassenen Ärzte Deutschlands, Dirk Heinrich, unterstützte den Einsatz infizierter Pflegekräfte in Notlagen.

Die Stiftung Patientenschutz kritisierte hingegen die Idee, infizierte Pflegekräfte weiterarbeiten zu lassen. Der Vorstand Eugen Brysch mahnte gleichzeitig einen Strategiewechsel weg von den standardmäßigen PCR-Corona-Tests und Quarantäneregeln in Kliniken und Heimen an. Er fordert stattdessen „einen systematischen und täglichen Einsatz von Schnelltests bei allen Mitarbeitern in Krankenhäusern und Heimen“.


 

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