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Mordprozess gegen mutmaßlich falsche Ärztin gestartet

medstra-News 8/2021


Am 27. Januar hat am Landgericht Kassel der Prozess gegen eine mutmaßlich falsche Ärztin begonnen. Die heute 50 Jahre alte Meike S. hat zwischen 2015 und 2018 als Assistenzärztin der Anästhesie im Hospital zum Heiligen Geist im hessischen Fitzlar gearbeitet und eigenverantwortlich Patienten betäubt, ohne zuvor eine entsprechende Ausbildung absolviert zu haben. Laut Anklage soll es dabei zu insgesamt 16 Behandlungsfehlern gekommen sein. Auf die Komplikationen habe die Angeklagte zu langsam oder gar nicht reagiert. Vorgeworfen wird ihr unter anderem, dass sie Betäubungsmittel falsch dosiert, Sepsen nicht behandelt und Patienten (stundenlang) mit Sauerstoff unterversorgt gelassen habe. Fünf Personen im Alter von 58 bis 86 Jahren überlebten diese Fehler nicht.

Die Staatsanwaltschaft wirft Meike S. daher unter anderem Mord in fünf Fällen in Tateinheit mit unerlaubter Ausübung der Heilkunde, versuchten Mord in elf Fällen in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, Urkundenfälschung sowie den Missbrauch von Titeln und Berufsbezeichnungen vor.

Die Angeklagte selbst schwieg am ersten Prozesstag. Ihr Verteidiger räumte jedoch ein, dass Meike S. die Qualifikation für den Arztberuf nicht besaß. Zudem werde die Beweisaufnahme ergeben, dass ihr Berufsleben in Teilen auf Hochstapelei zurückzuführen sei. Tötungsvorsatz habe seine Mandantin jedoch nicht besessen. Vielmehr habe sie darauf vertraut, dass die Patienten nicht verletzt würden. Da sie an der erfolgreichen Betäubung von 500 Patienten beteiligt gewesen ist, habe für sie auch kein Anlass bestanden, an ihrem Können zu zweifeln.

Zunächst sind weitere zwölf Prozesstage bis Ende März angesetzt.


 

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