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Vermutlich erste Triage-Fälle bei Corona-Patienten in Sachsen

medstra-News 75/2020


Womöglich kam es im Oberlausitzer Bergland-Klinikum im sächsischen Zittau zu einer Triage bei Corona-Patienten. Eine dahingehende Aussage hat der ärztliche Direktor der Klinik, Mathias Mengel, am Dienstagabend, d. 15.12.2020, bei einem Online-Bürgerforum gemacht, so der Bericht des Nachrichtenportals t-online. Danach haben in dem in Rede stehenden Krankenhaus nicht genug Beatmungsbetten zur Verfügung gestanden.
"Wir waren in den vergangenen Tagen schon mehrere Male in der Situation, dass wir entscheiden mussten, wer Sauerstoff bekommt und wer nicht", so Dr. Mengel gegenüber t-online. Nach seiner Aussage entscheide das Team kurzfristig. Zunächst würden sie versuchen, die unterversorgten Patienten in andere Kliniken zu verlegen. Allerdings sei Görlitz im Epizentrum der Krise und manche anderen Krankenhäuser nähmen gar keine Patienten mehr auf. Auch in Westsachsen seien die Kliniken voll belegt.
Daher sei im Oberlausitzer Bergland-Klinikum schon mehrfach triagiert worden. Dies hätte auch bedeutet, dass es für einen nicht verlegungsfähigen Patienten keine entsprechende Hilfe mehr gab.

Allerdings erklärte eine Sprecherin des Klinikums gegenüber der „Sächsischen Zeitung“, dass dadurch kein Patient verstoben sei. Sie dementierte die Aussage des Arztes jedoch auch nicht. Weiter wurde jedoch durch die Geschäftsführung des Klinikums bekannt, dass die Zahl der verfügbaren Betten durch Personalengpässe deutlich reduziert werden musste.

Der Chef der Leitstelle in Dresden, Christian Kleber, bestätigte, dass in den vergangenen Tagen „verstärkt“ Patienten aus den Landkreisen Bautzen und Görlitz in andere Landkreise verlegt worden sind.
Der Görlitzer Landrat Bernd Lange bekräftigte die Aussage der Leitstelle. Allein am 16.12.2020 seien acht Patienten in Kliniken nach Leipzig, Sachsen-Anhalt und Brandenburg verlegt worden. Allerdings warnte er in Bezug auf die Aussagen des Arztes vor einer „Panikmache in den Medien“.

Die Gesundheitsministerin Sachsens, Petra Köpping (SPD), nannte die Äußerungen von Dr. Mengel einen „Warnruf“. Sie ist der Auffassung, dass die Verantwortlichen damit hätten zeigen wollen, dass sie bald nicht mehr wüssten, wie sie die Patienten versorgen sollten. Den konkreten Fall könne sie allerdings auch nicht bestätigen.

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer (CDU) äußerte sich ähnlich wie seine Gesundheitsministerin. Er verwies auf die geltenden ethischen und medizinrechtlichen Standards. Nach diesen Standards werde in Zittau und überall in Sachsen gearbeitet. Auch er versteht die Aussage aus Zittau als Hilferuf.

Die Infektionszahlen im Landkreis Görlitz, in dem das Oberlausitzer Bergland-Klinikum liegt, sind sehr hoch. Am Dienstag lag die 7-Tages-Inzidenz bei 645 pro 100.000 Einwohner. Nach Angaben des Landkreises wurden am 15.12.2020 263 Corona-Patienten stationär behandelt.

Ein Gesetz zur sogenannten Triage, das klärt, wie Ärzte in Notfallsituationen entscheiden müssen, gibt es in Deutschland derzeit nicht. Der Deutsche Ethikrat und die Bundesärztekammer lehnen das Lebensalter eines Patienten als Kriterium für den Zugang zu medizinischer Versorgung ab. Vielmehr solle es auf dessen „Gebrechlichkeit“ ankommen. Frankreich, Großbritannien, Belgien und Schweden gaben indes eine Handlungsempfehlung ab, jüngere Patienten bevorzugt zu behandeln.


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