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Elektronische Patientenakte: Hohe Erwartungen nicht erfüllt

medstra-News 19/2026 vom 12.3.2026

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) zieht nach rund einem Jahr elektronischer Patientenakte (ePA) im sogenannten Opt-out-Verfahren eine kritische Bilanz. Nach Angaben von Vorständin Ramona Pop ist der derzeitige Zustand angesichts der Befragungsergebnisse „nicht zufriedenstellend“. Demnach kennen 94 Prozent der Menschen die ePA, doch weniger als jeder Fünfte nutzt die digitale Akte aktiv.

Aus Sicht von Ramona Pop werden mehr Informationen und Aufklärung, ein präzises Berechtigungsmanagement und alltagsnahe Mehrwerte für die Versicherten benötigt. Ferner müssen die Krankenkassen dafür sorgen, dass es einen technisch einwandfrei laufenden Registrierungsprozess gibt, der weniger komplex ist. „Versicherte müssen genau einstellen können, welche Praxis Zugriff auf welche Informationen erhält“, so Pop. Möglicherweise wollen Patienten Befunde vom Psychotherapeuten mit der Hausarztpraxis, nicht aber mit der Zahnarztpraxis teilen.

Ebenfalls kritisch bewertet der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, Markus Beier, die ePA. „Die allerwenigsten Patientinnen und Patienten haben sich ihre ePA einmal angeschaut. Das liegt vor allem an dem absurd komplizierten Registrierungsprozess, der selbst digital affine Menschen irgendwann frustriert aufgeben lässt“, teilte Beier den Zeitungen der Funke Mediengruppe mit. Vielen Patienten sei nicht bewusst, dass sie eine ePA besitzen. Ferner kritisiert Beier, dass es sich bei der Akte derzeit vorwiegend um „eine unsortierte PDF-Sammlung“ handele. Es fehle etwa an einer Volltextsuche, zudem komme es weiterhin zu massiven Ausfällen und Störungen.

Einer forsa-Befragung zufolge sind die Gründe, warum Versicherte ihre ePA nicht aktiv nutzen, vielfältig. 75 Prozent der Befragten haben sich noch nicht mit der ePA auseinandergesetzt. Keinen persönlichen Nutzen sehen 33 Prozent der Befragten darin. Ferner halten Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes und Sorgen um die Datensicherheit die Befragten davon ab, die ePA aktiv zu nutzen (jeweils 13 Prozent). Der Befragung nach wünschen sich Versicherte ferner genaue Steuerungsmöglichkeiten, wer welche Daten sehen darf (68 Prozent).


Verlag C.F. Müller

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