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Diskussionen um Versorgungslage bei Schwangerschaftsabbrüchen

medstra-News 20/2026 vom 31.3.2026

Am 27.2.2026 fand im Bundestag eine Debatte zur Versorgungslage bei Schwangerschaftsabbrüchen statt. Die Fraktionen der Grünen und der Linken hatten Gesetzentwürfe eingebracht, um die Bundesregierung aufzufordern, die Versorgungslage für ungewollt schwangere Frauen zu verbessern (BT-Drucks. 21/3909 und 21/4299).

Die Grünen-Abgeordnete Kirsten Kappert-Gonther bemängelte ein strukturelles Versorgungsdefizit, die auch zu unsichereren Abbrüchen führe. Sie wies insbesondere auf Klinikfusionen von kirchlichen Trägern und den Arbeitsgerichtsprozess eines Gynäkologen und Chefarztes gegen seinen katholischen Arbeitgeber hin (s. zur Entscheidung des LAG Hamm medstra 2/2026, R3 f.).

Dagegen hielt Maria-Lena Weiss (CDU) die Versorgungssicherheit weiterhin für gewährleistet. Die ELSA-Studie habe ergeben, dass eine Praxis oder ein Krankenhaus für alle Frauen in maximal 100 Minuten per Auto erreichbar sei und auch die Betroffenen die Erreichbarkeit als gut bewerten würden (s. zu den Ergebnissen der Studie bereits medstra-News 84/2025 vom 20.8.2025 sowie 86/2025 vom 26.8.2025).

Die Linke forderte darüber hinaus die Abschaffung des § 218 StGB, was im Bundestag zu einer kontroversen Debatte führte.

Insbesondere für den Raum Flensburg wird das Thema seit mehreren Wochen diskutiert, nachdem es beim dortigen Diako-Krankenhaus einen Trägerwechsel zum katholischen Malteserorden gab. Der Malteserorden erlaubt als Krankenhausträger Abtreibungen nur in medizinischen Notfällen.

Die schleswig-holsteinische Gesundheitsministerin Kerstin von der Decken (CDU) erklärte hingegen, dass die Versorgungssituation für Schwangerschaftsabbrüche im Land gesichert sei. Operative Eingriffe seien in umliegenden Kreisen sowie an Krankenhäusern in Schleswig und Husum möglich, sodass die Anforderung des Bundesverfassungsgerichts, dass eine Versorgung innerhalb eines Tages erreichbar sein müsse, erfüllt sei. Mehrere andere Landespolitiker verwiesen allerdings darauf, dass es nicht nur auf Statistiken und Fahrzeiten ankomme, sondern auf wohnortnahe tatsächliche Angebote.


Verlag C.F. Müller

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