medstra-News 32/2026 vom 28.5.2026
Vom 12.-15. Mai 2026 fand in Hannover der 130. Deutsche Ärztetag statt. In den dort gefassten Beschlüssen begrüßte der Ärztetag u.a. die geplanten Änderungen des StGB zum Schutz von Ärzten und anderen Angehörigen medizinischer Berufe und forderte eine „gesamtgesellschaftliche Selbstvergewisserung“ um einer „Verrohung des mitmenschlichen Umgangs“ entgegenzutreten. Auch der sichere Umgang mit Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung im Gesundheitswesen war ein Kernthema des Ärztetags.
Überschattet wurde der Ärztetag jedoch von Vorwürfen sexueller Belästigung. Die Delegierten der Bundesvertretung der Medizinstudierenden Cecilia Correa und Yamina Probst berichteten über unangemessene Kommentare und Berührungen auf Abendveranstaltungen des Ärztetags und Einladungen in Hotelzimmer. Eine bundesweite Umfrage unter 9.000 Ärztinnen und Ärzten des Marburger Bundes, die im April veröffentlich wurde, zeigt, dass solche Vorkommnisse keine Einzelfälle sind. Von den bundesweit Befragten gaben 49 Prozent an, in den vergangenen zwölf Monaten selbst Machtmissbrauch, weit überwiegend durch Vorgesetzte erlitten zu haben; 13 Prozent waren nach eigenen Angaben sexuell belästigt worden. Das Thema „Machtmissbrauch, sexuelle Gewalt und Diskriminierung“ soll das Kernthema des nächsten Deutschen Ärztetags werden.
