medstra-News 39/2026 vom 10.6.2026
Die Techniker Krankenkasse (TK) hat im Jahr 2025 so viele Verdachtsfälle auf Behandlungsfehler registriert wie nie zuvor. Nach Angaben der Krankenkasse meldeten sich im vergangenen Jahr 7.540 Versicherte bei der TK mit Verdacht auf einen Behandlungsfehler. Dies entspricht einem Anstieg um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr (siehe medstra-News 47/2025 vom 2.5.2025 zu den von der TK für das Jahr 2024 erfassten Verdachtsfällen). Zugleich geht die TK von einer hohen Dunkelziffer aus. Laut Angaben der TK erhärtete sich etwa jeder dritte Verdachtsfall im Rahmen der Überprüfung so weit, dass ein rechtliches Verfahren eingeleitet werden konnte. Der Großteil der gemeldeten Fälle entfiel mit 29 Prozent auf chirurgische Eingriffe. An zweiter Stelle lagen die Kieferorthopädie und Zahnmedizin mit 17 Prozent, gefolgt von der Gynäkologie und Geburtshilfe mit 11 Prozent.
Vor dem Hintergrund dieser Zahlen forderte der Vorstandsvorsitzende der TK, Jens Baas, eine offene Fehlerkultur im Gesundheitswesen. Fehler würden „bisher noch viel zu oft verschwiegen oder bagatellisiert, statt sie als Chance für Verbesserungen zu nutzen“. Baas sprach sich zudem für die Einführung eines zentralen Melderegisters aus. Ferner sei eine Meldepflicht für alle Gesundheitseinrichtungen erforderlich. Jonas Petersen, Behandlungsfehlerexperte bei der TK, machte auf ein weiteres Problem aufmerksam: „Selbst wenn wir in den Abrechnungsdaten klare Hinweise auf Behandlungsfehler sehen, dürfen wir die Versicherten aufgrund der aktuellen Gesetze nicht darauf hinweisen“, teilte er mit.
