medstra-News 73/2026 vom 2.10.2026
Mit der KKH und der DAK haben zwei große gesetzliche Krankenkassen zuletzt neue Zahlen zum Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen vorgelegt. Der KKH entstand nach eigenen Angaben im Zweijahreszeitraum 2024/2025 bundesweit ein Schaden von mehr als acht Millionen Euro – der bislang höchste Wert innerhalb von zwei Jahren. Im vorherigen Zweijahreszeitraum waren es noch rund 4,5 Millionen Euro. Den größten Einzelschaden verursachte demnach Betrug im Arzneimittelsektor mit rund 875.000 Euro allein im vergangenen Jahr, dicht gefolgt von der ambulanten und stationären Pflege mit rund 844.000 Euro. Bundesweit gingen 2025 insgesamt 605 neue Hinweise bei der KKH ein. KKH-Chefermittler Emil Penkov sprach von teils „mafiösen Strukturen“ über Scheinfirmen und Ländergrenzen hinweg, insbesondere bei niederschwelligen Pflegeleistungen wie Wohnumfeldverbesserungen. Penkov forderte politische Weichenstellungen für einen kassenübergreifenden Datenabgleich. Die KKH zählt rund 1,5 Millionen Versicherte bei einem Haushaltsvolumen von etwa 8,7 Milliarden Euro.
Noch deutlicher fiel der Anstieg bei der DAK aus: Dort wurden 2024 und 2025 rund 2.300 neue Verdachtsfälle von Abrechnungsbetrug erfasst, 30 % mehr als im vorherigen Berichtszeitraum. Insgesamt verfolgte die DAK knapp 4.900 Bestands- und Neufälle mit einem Gesamtschaden von 15,6 Millionen Euro. Am stärksten betroffen war hier der Bereich der Arznei- und Verbandmittel mit 5,5 Millionen Euro, vor allem durch gefälschte Rezepte für hochpreisige Krebsmedikamente und Abnehmspritzen. Nahezu jeder zweite Betrugsfall entfiel auf den Pflegebereich mit einem Schaden von 3,6 Millionen Euro. Die DAK forderte angesichts zunehmender organisierter Kriminalität bessere gesetzliche Voraussetzungen für deren Bekämpfung. DAK-Fachbereichsleiter Dennis Zachert sieht in Künstlicher Intelligenz Potenzial zur Betrugsaufklärung und -vorbeugung, wofür es aber einer sicheren und verbindlichen datenschutzrechtlichen Grundlage bedürfe.
