medstra-News 44/2026 vom 28.7.2026
Die Vorsitzende der Enquete-Kommission „Corona“, Franziska Hoppermann (CDU), erwartet, dass die Kommission im kommenden Jahr keinen einstimmigen Abschlussbericht vorlegen wird. Dies äußerte sie Ende Juni bei einer Veranstaltung zur Krisenresilienz des Gesundheitswesens in Berlin.
Als Ursache für die fehlende Einigkeit gelten die stark abweichenden Auffassungen der drei Kommissionsmitglieder, die aus der AfD-Fraktion kommen. Diese hatte einen Untersuchungsausschuss zur Pandemie gefordert, der Bundestag hat jedoch eine Enquete-Kommission eingesetzt, die Lösungen für die Zukunft ableiten soll. Hoppermann bezog sich in ihrer kritischen Einschätzung nun nicht auf die AfD-Kommissionsmitglieder. Allerdings hatten andere Mitglieder in öffentlichen Anhörungen immer wieder deren Verhalten kritisiert.
Bei der Veranstaltung zog die Kommissionsvorsitzende auch ein Zwischenfazit. Demnach sei Deutschland relativ gut durch die Corona-Pandemie gekommen und es habe auch positive Entwicklungen gegeben, etwa bei der Digitalisierung. Dringenden Handlungsbedarf gebe es aber beim Katastrophenschutz, der kritischen Infrastruktur und der Vernetzung von Patientendaten. Es würden etwa feste Mechanismen für bundesländerübergreifende Zusammenarbeit, etwa in einem Bundeskatastrophenschutzgesetz, fehlen. Außerdem müsse das Gesundheitswesen in Krisensituationen als Teil des vernetzten Kritis-Systems gedacht werden.
Der Bundestag hatte vor etwa elf Monaten die Einsetzung der Kommission mit dem Namen „Aufarbeitung der Corona-Pandemie und Lehren für zukünftige pandemische Ereignisse“ beschlossen (medstra-News 89/2025 vom 17.9.2025 und 2/2026 vom 7.1.2026). Sie konstituierte sich am 8.9.2025 und besteht aus 14 Abgeordneten und 14 externen Sachverständigen. Ein Abschlussbericht soll im Sommer 2027 vorliegen, damit – so jedenfalls die Hoffnung der Vorsitzenden – bis zum Ende der Legislaturperiode 2028 noch Empfehlungen umgesetzt werden können.
