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Corona-Enquetekommission: Lehren aus der Pandemie und Maskenbeschaffung

medstra-News 2/2026 vom 7.1.2026

Die Enquetekommission im Bundestag befasste sich im Dezember in zwei Anhörungen mit der Corona-Pandemie (s. bereits medstra-News 89/2025). In der öffentlichen Anhörung am 1. Dezember 2025 wurde deutlich, dass Deutschland hinsichtlich der Vorbereitung auf künftige Pandemien noch erheblichen Nachholbedarf hat. Sachverständige forderten eine effizientere Digitalisierung, eine umfassendere, schnellere Datenerhebung, eine bessere Vorbereitung mit Pandemieplänen und Planungssicherheit für den Öffentlichen Gesundheitsdienst.

Virologe Christian Drosten warnte vor der Gefahr, sich allein auf die Erfahrungen der Coronapandemie zu verlassen, da dies zu Fehlplanungen bei neuartigen Erregern führen könnte. „Eine schematische Pandemieplanung, strikt nach den COVID-Erfahrungen, begeht unausweichlich gravierende Planungsfehler“, so Drosten. Johannes Nießen vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) betonte die Notwendigkeit, jederzeit einsatzbereite Notfallstrategien zu entwickeln.

Vertreterinnen und Vertreter des Öffentlichen Gesundheitsdienstes sprachen sich für einen starken Gesundheitsdienst als wesentliche Säule einer zukünftigen Epidemie- oder Pandemiereaktion aus. „Wir müssen von der reaktiven Adhoc-Bewältigung zu einer proaktiven, datenbasierten und resilienten Public-Health-Strategie übergehen“, so der BIÖG-Leiter. Nießen führte als gravierendsten Mangel in der Coronapandemie die häufig unvollständige beziehungsweise mit erheblichem Zeitverzug vorliegende Datenlage im Versorgungsbereich an. So habe der Zugang zu „patientenindividuellen Echtzeitdaten“ gefehlt.

In der Anhörung am 15. Dezember 2025 ging es unter anderem um die Beschaffung von Schutzausrüstung. Der Meinung mehrerer Fachleute nach hat Deutschland bei der Versorgung mit Schutzausrüstung Nachholbedarf. Bundesrechnungshof-Mitglied Oliver Sievers kritisierte das Fehlen einer nationalen Reserve und eines Gesundheitssicherstellungsgesetzes.

In weiten Teilen befasste sich die Anhörung mit den Problemen und Versäumnissen bei der Beschaffung von Schutzmasken im Frühjahr 2020 unter dem damaligen Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Gegen den Rat seiner Fachabteilungen sei Spahn laut dem Bericht der Sonderbeauftragten Margaretha Sudhof (SPD) in großem Umfang in die Maskenbeschaffung eingestiegen und habe damit enorme Kosten sowie Risiken erzeugt (siehe zum Bericht bereits medstra-News 61/2025). Sievers zufolge kaufte das Gesundheitsministerium im Frühjahr 2020 insgesamt 5,8 Milliarden Masken für 5,9 Milliarden Euro. Hiervon hätten 3,4 Milliarden vernichtet werden müssen. Hinzugekommen seien Begleitkosten in Höhe von ca. 510 Millionen Euro, etwa für die Lagerung. Weitere Kosten stünden zudem aus.

Spahn hat sein Krisenmanagement in der Anhörung verteidigt. Das oberste Ziel sei die Vermeidung einer Überlastung des Gesundheitswesens gewesen. Spahn hob hervor, wie groß der Druck auf den Bund gewesen sei; zudem sei der Markt stark umkämpft gewesen. Spahn sprach jedoch auch von seinem eigenen Lerneffekt: „Wenn ich eins im Nachhinein tatsächlich anders machen würde, dann die Breite der Beratung, wie sie von Tag eins an stattgefunden hat, anders institutionalisiert öffentlich machen.“


Verlag C.F. Müller

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