medstra-News 83/2026 vom 4.11.2026
Der GKV-Spitzenverband hat eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung in Auftrag gegeben, um das tatsächliche Ausmaß von Betrug im deutschen Gesundheitswesen zu ermitteln.
Hintergrund ist die Annahme, dass den gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen durch betrügerische Abrechnungen und andere Formen wirtschaftskriminellen Verhaltens jährlich Schäden in Milliardenhöhe entstehen. Die nun in Auftrag gegebene Studie begann Anfang Oktober dieses Jahres und soll im April 2029 Ergebnisse liefern. Sie wird von den Rechtsprofessoren Kai Bussmann (Universität Halle-Wittenberg) und Ralf Kölbel (Ludwig-Maximilians-Universität München) geleitet.
Nach Einschätzung des GKV-Spitzenverbands könnten die finanziellen Schäden deutlich höher ausfallen als bisher bekannt. Internationale Untersuchungen gehen davon aus, dass etwa fünf bis zehn Prozent der Gesundheitsausgaben durch Betrug und sonstiges Fehlverhalten verloren gehen. Überträgt man diese Schätzungen auf Deutschland, wo die jährlichen Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung mehr als 350 Milliarden Euro betragen, könnten Schäden von über 20 Milliarden Euro sichtbar werden (siehe zum Ausmaß des Abrechnungsbetrugs medstra-News 73/2026 vom 2.10.2026).
Neben einer möglichst realistischen Einschätzung der finanziellen Schäden sollen auch konkrete Handlungsempfehlungen entwickelt werden, um Betrug und Fehlverhalten künftig wirksamer verhindern und bekämpfen zu können. Um die Bekämpfung zu verbessern, sprechen sich die Krankenkassen dafür aus, moderne technische Möglichkeiten stärker einsetzen zu dürfen. Insbesondere der Einsatz Künstlicher Intelligenz könnte dabei helfen, mögliche Betrugsfälle gezielter aufzudecken.
Übergeordnetes Ziel der Initiative ist es, die finanziellen Mittel der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung besser zu schützen. Denn Gelder, die durch Fehlverhalten verlorengehen, stehen nicht mehr für die medizinische Behandlung und pflegerische Versorgung der Versicherten zur Verfügung.
